Kino Corso politisch retten – keine weiteren rechtlichen Schritte

Das Verschwinden des legendären Kino Corso bei gleichzeitig ausufernden Kosten muss zwingend ins Parlament zur Diskussion gebracht werden.

Manchmal blicken zwei Parteien auf denselben Sachverhalt – und kommen zu diametral entgegengesetzten Schlüssen.

Der Bezirksrat hat den Stimmrechtsrekurs abgewiesen und teilt die Ansicht des Stadtrats: Obwohl das Gebäude 1948 von der Stadt Zürich als Kino erworben und seither so genutzt wurde, stelle die Einstellung des dauerhaften Kinobetriebs im Corso keine wesentliche Nutzungsänderung dar. Der Stadtrat dürfe die Mittel zur Projektierung deshalb in Eigenregie sprechen, ohne dem Gemeinderat einen Antrag unterbreiten zu müssen.

Die Rekurrenten, Yasmine Bourgeois und Flurin Capaul, zeigen sich erstaunt über die stadtratsfreundliche Auslegung. Und ernüchtert von der Kostenentwicklung: 2017 wurden die Gesamtbaukosten noch auf rund CHF 21 Mio. geschätzt. Heute belaufen sich allein die geplanten Projektierungskosten gemäss STRB 257/2026 auf CHF 11 Mio. – am Ende dürften die Gesamtkosten gegen CHF 100 Mio. betragen, das Fünffache der ursprünglichen Schätzung.

Das Anliegen der FDP war klar: Das Verschwinden des legendären Kino Corso bei gleichzeitig ausufernden Kosten müsse zwingend im Parlament diskutiert werden – und dürfe nicht vom Stadtrat im Alleingang entschieden werden. Juristisch ist diese Position nun gescheitert. Einen Weiterzug schliessen die Rekurrenten aus.

„Wir haben – überraschenderweise – die juristische Auseinandersetzung verloren. Nun gilt es, den politischen Weg zu beschreiten. CHF 100 Millionen, um ein Kino zu beerdigen – das ist auch für Zürich eine stolze Summe", sagt Flurin Capaul. Yasmine Bourgeois zieht einen Vergleich aus der jüngeren Vergangenheit: „Auch beim geplanten Abriss des Schauspielhauses war sich der Stadtrat seiner Sache sicher – bis ihn die Bevölkerung in die Schranken wies."

Beide appellieren an den neu gewählten Stadtrat und das künftige Stadtpräsidium, einen historischen Fehler zu vermeiden und die Schliessung des Kino CORSO noch zu stoppen.